Von Monopoly bis zum Systemwechselspiel

Von Monopoly bis zum Systemwechselspiel

Geld erleben – ein Projekt im Rahmen des DialogRaumGeld November 2021 – November 2023

Blogbeitrag von Holger Kreft und Anna-Lisa Schmalz, 1. Februar 2024

Spiele und andere mehr oder weniger formatierte Erfahrungsmöglichkeiten zum Thema Geld vermitteln uns etwas über das Geld, über unser Verhältnis zum Geld sowie über unsere Weltwahrnehmung und damit auch über uns selbst.

Galerie einiger untersuchter Spiele und Erfahrungsarrangements (Zusammenstellung: Holger Kreft)

Es geht hier um eine sehr gemischte Gruppe von Erfahrungsmöglichkeiten zum Thema Geld. Das können konventionelle Spiele, soziographische Methoden, Lernarrangements, künstlerische Performances oder spielerische Gestaltungsimpulse und andere Arrangements sein.

  • Ob wir den Klassiker Monopoly spielen, ob wir als einzelne oder als Gruppe lernen wollen, „besser“ mit Geld umzugehen, d.h. unsere Gestaltungsspielräume zu erweitern versuchen, indem wir unsere Einnahmen und Ausgaben besser kontrollieren oder als Gruppe gemeinschaftlich eine Kasse führen oder uns im Cashflow-Spiel darin üben, wie wir dauerhaft und „mühelos“ fließende Einkommensströme generieren können…
Monopoly (Foto: Maria Lin Kim auf Unsplash)
Das Oeconomia-Spiel von Samirah Kenawi und Team beim Konvent 2022 des DialogRaumGeld (Foto: Holger Kreft)
  • ob wir beim Oeconomia-Spiel dem Weg des Geldes durch unsere Wirtschaft folgen, ob wir uns auf die „Lernreise Geld“ begeben, um unsere Prägungen besser kennenzulernen, ob wir „Werte-Scheine“ basteln, mit dem wir das Geld künstlerisch persiflieren und uns gegenseitig wertschätzen, ob wir reflektierend in unsere eigenen Geldbörsen schauen oder ob wir uns an soziometrischen Aufstellungen zu dem Thema beteiligen, um uns bzgl. unserer Wahrnehmungen und Überzeugungen in einem sozialen Feld zu verorten…
  • oder ob wir performativ Geldkonflikte bearbeiten, uns mit guten Freundinnen und Freunden in eine Denkpartnerschaft zum Geld begeben, Projektmittel durch Empowered Fundraising akquirieren oder ob wir uns mit dem Systemwechselspiel einen essenziell vereinfachten, vielleicht möglichen Weg der Veränderung erspielen wollen oder, oder, oder:

Immer sind spezifische Erfahrungen mit und über Geld möglich!

Denkpartnerschaft zum Thema Geld nach Nancy Kline (Symbolbild von Alexander Suhorucov auf Pexels)

Spannbreite der Erfahrungen von Geld

Das Geldesel-Märchen als Improtheater (Symbolbild von Erwin Lorenzen auf pixelio.de)

Solche Arrangements können uns – oft eben auch mit großer Spielfreude verbunden und bei geeigneter Reflexion – Vorstellungen davon geben,

  • wie wir Geld überhaupt wahrnehmen: Ist es ein Werkzeug für den individuellen Gebrauch oder eine ganze Infrastruktur, die gemeinsam zu bewirtschaften ist?
  • wie es funktioniert und wie es in Wirtschaft und Gesellschaft wirkt, falls es nicht nur eine Sammlung von Werkzeugen sein sollte: Wie ein Blutkreislauf oder ein Nervensystem (Brett Scott 2022)?
  • wie Geld verfasst und konstruiert ist: Ist es „Schuld(en)geld“?
  • was es in unserer Vorstellung auch sein könnte: Im besten Fall in Hilfsmittel, das ausschließlich den Menschen und der Mitwelt dient?
  • wie wir es dazu tatsächlich verändern müssten: „Einfach mal machen?“
Die Reise nach Jerusalem, ggf. in einer „gehäckten“ Version (Foto: University of Denver)

Dabei werden je nach Spiel bzw. Methode sehr unterschiedliche Erfahrungsebenen angesprochen:

  • die körperlich-sinnliche und/oder
  • die gefühlsmäßige und/oder
  • die kognitive Ebene

Den eigenen Wahrnehmungen nachspüren, sich in Spielsituationen bzw. Mitspielende einfühlen, allein und gemeinsam über Erlebtes reflektieren, über Spielzüge und Ergebnisse nachdenken und sich darüber austauschen – alles hilft, um dem erstaunlichen Phänomen Geld besser auf die Spur zu kommen.

Was zeigt sich im Erleben von Geldspielen und im Nachdenken darüber?

Was können wir in den Spielen und den anderen Erfahrungsmöglichkeiten über unser Geld, über die Welt und über uns selbst erfahren? Geben uns die Arrangements vielleicht sogar spielerische Impulse zu unserer persönlichen oder zu einer gesellschaftlichen Veränderung („Transformation“)? Wie genau wäre das möglich?

Wir können hier nur einen kleinen Anriss machen.

Bielefelder Werte-Scheine als künstlerisch-kreative Wertschätzungsübung und zugleich als Persiflage auf die Uniformität der Geldscheine von Kerstin Große-Wöhrmann (Foto: Kerstin Große-Wöhrmann)

Eine Spende hat das Projekt „Geld erleben“ ermöglicht

Autorin Anna-Lisa Schmalz, Autor Holger Kreft und Spender Peter Frommherz bei der Übergabe des Abschlussberichts der ersten Phase beim Konvent 2023
(Foto: Leo Schenk, Tovisio)

Seit November 2021 gehen wir diesen und anderen geldrelevanten Fragen mit dem Projekt „Geld erleben“ nach. Unser Projekt, dessen Ergebnisse wir jetzt nach zweijähriger Arbeit der ersten Phase rechtzeitig zum zweiten Konvent in Augsburg vorstellen konnten, beschäftigt sich mit bereits vorhandenen, teilweise sehr weit verbreiteten Methoden, Spielen, Lernarrangements und Gestaltungsimpulsen zum Thema Geld. Mit einer Spende hat Peter Frommherz, im Vorstand des gemeinnützigen Vereins Oeconomia Augustana in Augsburg, unser Projekt ermöglicht. Durch dieses Geld genossen wir eine Gestaltungsfreiheit für unser Forschungsdesign und dessen Ausgestaltung, die wir bisher in anderen Projekten noch nicht erlebt hatten. Die Oeconomia Augustana fungierte für die Jahre 2021-2023 auch als Trägerin des Projekts DialogRaumGeld. Im DialogRaumGeld ist eine Reihe weiterer Ideen zu Umsetzungsprojekten entstanden.

Was haben wir bisher erreicht? Einige Ergebnisse in der Übersicht

Das Cashflow-Spiel von Robert T. Kiyosaki (Foto: Holger Kreft)

Es folgt eine kurze Übersicht über das, was wir in unserem Projekt in zwei Jahren zusammengetragen haben:

  • Für 23 Spiele, Methoden und anderen Erfahrungsmöglichkeiten haben wir persönliche und unterschiedlich umfangreiche Einführungstexte für die Webseite erstellt, mit denen wir auf die Methoden neugierig machen.
  • Für 20 dieser Methoden i.w.S. haben wir auf der Grundlage eines zu diesem Zweck erarbeiteten Abfragerasters Steckbriefe erstellt, die die wichtigsten Informationen bereithalten.
  • Wir konnten sie verschiedenen Kategorien zuordnen, wie wir sie im Abschnitt ‚Spannbreite der Erfahrungen von Geld‘ weiter oben in diesem Artikel vereinfacht andeuten.
  • Weitere 30 Kandidaten stehen noch auf unserer Liste. Die können wir – falls wir die Kapazitäten bereitstellen können – demnächst noch beschreiben (Stand 27.01.2024).
Forumtheater zum Thema Geld beim Konvent des DialograumGeld 2022 (Foto: Leo Schenk, Tovisio)
Übungen zu ambivalenten Wahrnehmungen von Geld: Liebesgabe oder Teufelszeug? (Symbolbild von Koolshooters auf Pexels)
  • Wir schlagen außerdem vor, modulare und dadurch äußerst flexible Lernprogramme zusammenzustellen. Viele der hier vorgestellten sehr unterschiedlichen Spiele, Methoden und anderer Erfahrungsmöglichkeiten können dadurch in Kombination eine große Wirkung entfalten.

Weitere im Projekt gewonnene Erkenntnisse gehören zur Grundlage dieses Artikels.

Auch Geldspiele sind ja „nur“ Modelle!

Jetzt wollen wir noch etwas genauer hinsehen: Eigentlich sind auch Geldspiele lediglich Modelle unserer Geldwirklichkeit. Denn genau genommen arbeiten Geldspiele und geldbezogene Methoden mit den Vorstellungen von Geld, nämlich mit den Vorstellungen der Entwickler:innen und/oder der Spielleiter:innen. Und damit festigen sie vielleicht alte Vorstellungen von diesem Gegenstand.

Mit ihren mehr oder weniger deutlich und mehr oder weniger bewusst gesetzten Annahmen, Vorstellungen, Überzeugungen, Bildern und Erzählungen prägen also die Geldspiele, -methoden und anderen -erfahrungsmöglichkeiten wiederum unsere Vorstellungen und unseren Umgang mit unserem jetzigen Geld. Sie entscheiden dadurch auch mit über seine Wirkungen.

Aufstellung zum Thema Geld
(Foto: AStA Uni Wuppertal für den Lernort)

Geldspiele verstehen wir daher auch als „erlebbare Konkretisierungen von Vorstellungen von Geld“, sie lassen uns erleben, wie das Tauschwerkzeug oder die Infrastruktur Geld – aus Sicht ihrer Spieleentwickler:innen und der Spieleanleiter:innen – „funktioniert“ und wie angenommen wird, dass es in Wirtschaft und Gesellschaft wirkt. Wieder andere zeigen uns, welche Vermutungen es zu seiner Konstruktion gibt. Vor allem die reflektierenden Methoden können uns bewusst machen, wie wir selbst das Geld wahrnehmen. Sie helfen uns, unsere eigenen Vorstellungen von und Erzählungen über Geld greifbarer zu machen.

Vermutlich können uns andere Erfahrungsmöglichkeiten mit anderen Intentionen aber auch dabei helfen, neue Bilder vom Geld zu erschaffen und zu vermitteln.

Systemwechselspiel von Teresa Karayel (Foto: Teresa Karayel)

Was uns auch noch interessiert

Geldbörsenschau zur gemeinsamen Reflexion von Geldthemen (Symbolbild von Holger Kreft)

Durch unsere Beschäftigung mit dem Thema sind für uns einige weitere Fragen und neue Perspektiven aufgetaucht:

  • Welche Aspekte von Geld sind noch nicht durch Spiele und andere Arrangements abgedeckt? Wo gibt es gewissermaßen noch Lücken der unmittelbaren Erfahrbarkeit?
  • Einige methodische Fragen sind zu klären. Wie erfassen wir die Wirkungen von Spielen, Methoden und anderer Erfahrungsmöglichkeiten auf die Mitspielenden genau und zuverlässig?
  • Mit diesem Projekt wird für uns auch der Weg zu einer Transformativen Geldforschung erkennbar. Wie könnte dieser Forschungszweig – anschließend an die wichtigen Denkarbeiten vor allem heterodoxer Autor:innen aus Philosophie, Soziologie, Psychologie und vermeintlich entlegenerer Disziplinen – weiterentwickelt und ausgebaut werden?

An diesen und anderen Fragestellungen und Aufgaben wollen wir weiterarbeiten.

Schnelle Infos zum Projekt gibt es hier: https://www.geld-erleben.de

Auch unseren Abschlussbericht (eine „Werkstattfassung“) zu dieser ersten Phase geben wir gern weiter. Fragen Sie einfach über die Kontaktadresse bei uns an!

Kontakt: Dr. Holger Kreft, info(ät)bzr(minus)kreft(punkt)de